Die Eisblumen oer Soziopathen

 

“Life is short. Say what you’ve wanted to say. Do what you’ve wanted to do. Don’t wait until the only thing you can say is, I wish I’d had the courage to do it sooner.” ~Lori Deschene

Ich war auf einem Kongress in Florida und hörte einem Vortrag zu, in dem das Buch von Martha Stout empfohlen wurde: „Der Soziopath von nebenan. Die Skrupellosen: Ihre Lügen, Taktiken und Tricks.“ Ich kaufte es.

An einem Wochenende verschlang ich das Buch. Niemals hatte ich mich mit diesen Menschen auseinandergesetzt, dachte wirklich, dass diese Menschen in meinem Leben nicht vorkamen, auch in meiner Beratungspraxis nicht. Ich dachte, Soziopathen sind etwas für die Psychiater und Therapeuten, die gelernt haben, mit diesen Menschen umzugehen und sie zu behandeln. So kann man sich täuschen.

Mir geht es im Folgenden nicht darum, Menschen zu diagnostizieren. Ich benutze Soziopath, Psychopath und Narzisst synonym. Während die ersteren zwei Begriffe in der Literatur generell synonym verstanden werden, ist Narzissmus ursprünglich etwas anderes. Die Leiden, die diese Menschen jedoch bei Ihren Partnern verursachen, ähneln sich stark. Mir geht es darum aufzuzeigen, wann Vorsicht geboten ist, wie Sie als Opfer von solch einem Mensch wieder heilen und wie Sie verhindern, dass Sie nochmals auf sie hereinfallen.

Ich schreibe in der männlichen Form. Soziopathen sollen angeblich überwiegend männlich sein, aber es gibt natürlich auch weibliche Fälle. Täter sind nicht nur Männer, sondern auch Frauen. Deshalb, liebe Damen, fühlt euch auch angesprochen.

Wie erkennt man Soziopathen?

In Wikipedia findet sich eine Checklist von Robert D. Hare:

Psychopathie-Checkliste 

(Kernmerkmale der psychopathischen Persönlichkeit: selbstsüchtig und ausnutzend, stabil über die Lebenszeit)

  • Trickreich, sprachgewandter Blender mit oberflächlichem Charme
  • erheblich übersteigertes Selbstwertgefühl
  • pathologisches Lügen (Pseudologie)
  • betrügerisch-manipulatives Verhalten
  • Mangel an Gewissensbissen oder Schuldbewusstsein
  • oberflächliche Gefühle
  • Gefühlskälte, Mangel an Empathie
  • mangelnde Bereitschaft und Fähigkeit, Verantwortung für eigenes Handeln zu übernehmen
  • Stimulationsbedürfnis (Erlebnishunger), ständiges Gefühl der Langeweile
  • unzureichende Verhaltenskontrolle
  • frühere Verhaltensauffälligkeiten
  • Fehlen von realistischen, langfristigen Zielen
  • Impulsivität
  • Verantwortungslosigkeit
  • Abwertung anderer Menschen
  • Jugendkriminalität
  • Verstoß gegen Bewährungsauflagen bei bedingter Haftentlassung
  • Promiskuität
  • viele kurzzeitige eheähnliche Beziehungen
  • polytrope (vielgestaltige) Kriminalität

Diese 20 Kriterien werden je nach Ausprägung mit 0 (keine Ausprägung), 1 (teilweise Ausprägung) oder 2 (volle Ausprägung) Punkten bewertet. Ab 25 von insgesamt 40 zu erreichenden Punkten wird ein hoher Psychopathie-Wert konstatiert. Ab 30 Punkten (Cutoff-Wert) erfolgt die Diagnose: „Psychopathie“.

Wer herausfinden möchte, ob jemand ein Narzisst ist, kann sich laut US-Psychologen lange Psychologie-Tests offenbar sparen: Eine einzige Frage genügt. Mehr als 2200 Freiwillige wurden befragt in dieser Untersuchung. Das Ergebnis war erstaunlich: die direkte Nachfrage stellte sich als der einfachste Weg dar, um Narzissten zu identifizieren.

Können Sie sich vorstellen, dass es Menschen gibt, die kein Gewissen und Empathie haben?

Ich nicht bzw. nur schwer. Aber ich erkenne sie nun. Sie kamen in meinem Leben vor und sind aktiv in dem Leben einiger meiner Klienten.

Ich gab ihnen einen Namen: Eisblumen. Ich kann mich noch an die beschlagenen Fenster meiner Kindheit erinnern und die Eisblumen, die im Winter daraus entstanden. Eisblumen leben nur in der Nacht, im Dunkeln. Sie sind wunderschön, kalt und unnahbar, denn Wärme und Nähe lösen sie auf, und sie werden dann banales Wasser bzw. Luft. So wie die Soziopathen.

Ich halte nichts davon, von „Losern“ zu sprechen. Soziopathen haben Ihre Grenzen und sie können ihr Verhalten wählen, so wie ich und auch Sie.

Und Sie können wählen, wie Sie vielleicht mit Ihrer „Liebessucht“ umgehen. Denn Sie werden in einer Beziehung mit einem Sozipathen manipuliert und sind nun vielleicht „süchtig“ nach seiner Liebe. Er wird sich nicht ändern. Aber Sie können sich ändern! Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede.

Psychopathen sind oft anregend, aufregend, liebevoll usw. Wenn wir Ihnen zu nahe kommen, löst sich diese Erscheinung mehr und mehr auf und ein Mensch mit Problemen erscheint, die er selbst nicht sieht. Banal, oder?

In der Literatur wird die Häufigkeit von Soziopathen in der Gesellschaft mit bis sechs Personen von hundert beschrieben. Es sind viele und Sie kennen sicherlich jemanden mit dieser Persönlichkeitsstruktur.

Von Psychiatern werden vor allem die Personen diagnostiziert, die gesellschaftlich auffällig geworden sind, indem sie stehlen oder auf einer anderen Weise kriminell sind. Psychopathen können sich anpassen und die Mehrzahl von Ihnen wird wahrscheinlich nie einen Therapeuten oder Psychiater sehen. Die Dunkelziffer ist daher groß.

Psychopathen haben Gefühle!

Sie leben unerkannt unter uns, denn sie haben kein Problem mit sich. Es sind immer die anderen, vielleicht Sie, indem Sie so sind wie Sie sind, empathisch mit einer Neigung das Gute in den Menschen zu sehen.

Psychopathen sind nicht verrückt. Nur anders. Sie sind mitunter sehr intelligent, wissen, was richtig und was falsch ist. Sie können sich auch rein rational in ihr Gegenüber hineinversetzen und dessen Perspektive einnehmen. Gefühle wie Angst oder Liebe werden von Ihnen anscheinend vermindert empfunden. Die Fähigkeit, Mitgefühl, Schuld oder Reue zu fühlen, ist gar nicht vorhanden.

Soziopathen wirken charmant, sind jedoch skrupellos. Instinktiv finden sie die Schwächen ihrer Mitmenschen und nutzen sie aus: „Sie sind perfekt angepasste Raubtiere.“

Robert Hare merkt in „Without Conscience“ an, dass Psychopathen viel schneller als normale Menschen verärgert sind, da sie ihre Impulse schlecht unter Kontrolle haben. Ein Wutanfall eines Psychopathen ist in der Regel gefühlskalt, plötzlich, von kurzer Dauer und willkürlich.

Wutausbrüche sind für den Psychopathen ein weiteres Mittel, um zu demonstrieren, dass er das Sagen hat. Wenn Psychopathen jemanden anschreien, beleidigen, zuschlagen, oder sogar andere Menschen verwunden und töten, dann sind sie sich ihres Verhaltens bewusst, selbst wenn sie nur opportunistisch im Eifer des Gefechts handeln. Sie wissen, dass sie anderen schaden und genießen dies sogar.

Psychopathen glauben nicht, dass ihre Fehlentscheidungen, die für sie immer gerechtfertigt und angemessen sind, jemals zur Folge haben können, dass ein anderer Mensch, der zuvor in ihrem Bann war, etwas an ihrem Verhalten auszusetzen hat oder sie ablehnt. Selbst wenn sie andere betrügen, belügen, ausnutzen, manipulieren oder isolieren, haben sie nicht das Gefühl, dass sie aufgrund ihres Verhaltens negative Konsequenzen jeglicher Art verdient hätten.

Die zentrale Emotion eines Psychopathen ist Verachtung für die Personen, die er täuscht, benutzt und missbraucht, sowie für die Menschheit insgesamt.

Als besonders perfide empfinde ich, dass Psychopathen erwarten, dass die Frauen, die sie benutzten und wegwarfen, sie als die perfekten Partner idealisieren und sehnlichst ihre Rückkehr erwarten. So können sie sie weiter für Sex, Geld, Machtspiele, das Image oder für sonstige Gefälligkeiten benutzen – falls sie sich, wann und für wie lange auch immer, sie sich dazu entschließen, wieder in ihren Leben aufzutauchen.

Oft sind Psychopathen unfähig, ihre eigenen Interessen zu berücksichtigen. Dadurch, dass sie flüchtigen Vergnügen und momentanen Launen nachgehen, behindern Psychopathen auch ihr eigenes Leben. Nur selten führen sie irgendwann ein glückliches oder erfolgreiches Leben. Sie verbringen ihr gesamtes Leben damit, diejenigen zu verletzen und zu hintergehen, die sie lieben und die ihnen vertrauen, ihre Partner zu benutzen und wegzuwerfen, Erwartungen ihrer Familien, Freunde, Vorgesetzten und Kollegen zu enttäuschen und von einer bedeutungslosen Ablenkung zur nächsten überzugehen. Am Ende gehen die meisten von ihnen leer aus und sind allein.

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